Policlinica Alemana Mallorca
Im oben genannten Zeitraum hatte ich die Gelegenheit, ein Praktikum im Deutschen Facharztzentrum (DFZ) auf Mallorca zu absolvieren. Das DFZ betreibt zwei Standorte auf der Insel – eine Praxis in Palmanova und eine in Paguera. Vor meinem ersten Arbeitstag war ich sehr nervös und stellte mir viele Fragen: Wie wird hier gearbeitet? Gibt es große Unterschiede zu Deutschland? Doch bereits am ersten Tag konnte ich viele dieser Fragen beantworten. Tatsächlich unterscheidet sich die Arbeitsweise in einigen Punkten von der in Deutschland. Die Abläufe waren zum Teil anders organisiert, und manche Aufgabenverteilungen überraschend ungewohnt. Das Team war jedoch ausgesprochen freundlich und hat mich vom ersten Tag an herzlich aufgenommen, sodass ich mich schnell als Teil des Teams fühlte. Unterschiede im Praxisalltag Ein Punkt, der mich zunächst irritiert hat, war der Hygienestandard. Was in Deutschland selbstverständlich ist – zum Beispiel die Verwendung von Desinfektionslösungen zur Reinigung von Räumen – war dort weniger ausgeprägt. Stattdessen wurde hauptsächlich mit Bacillol-Tüchern gearbeitet. Die Instrumentenaufbereitung hingegen war sehr gewissenhaft: Die Instrumente wurden gründlich gereinigt und anschließend im Sterilisator aufbereitet.
Auch die Aufgabenverteilung unterschied sich deutlich: Tätigkeiten wie Blutentnahmen oder das Verabreichen von Spritzen, die in Deutschland typischerweise von medizinischem Fachpersonal übernommen werden, wurden auf Mallorca von den Ärzten selbst durchgeführt. Interessant war auch der Umgang mit den Blutproben: Diese wurden zunächst in 10 ml-Spritzen abgenommen und anschließend je nach gewünschter Laboruntersuchung in passende Monovetten umgefüllt. Die Proben wurden dann entweder ins Labor Krone in Deutschland oder ins Synlab-Labor in Palma geschickt, wodurch die Patienten teils deutsche, teils spanische Befunde erhielten.
Erste Woche: Palmanova
In meiner ersten Woche war ich in der Praxis in Palmanova eingesetzt. Dort konnte ich selbstständig mit einer Blutbildmaschine arbeiten. Außerem haben wir verschiedene Werte wie CRP, Troponin, CK-MB sowie Elektrolyte selber mit einer Testmaschine analysiert. Auch das Durchführen von U-Stix-Tests habe ich dort gelernt – etwas, womit ich im Klinikalltag bisher wenig zu tun hatte.
Weitere Aufgaben waren das Vorbereiten von Infusionen, das Schreiben von EKGs und das Zentrifugieren von Serumröhrchen. Nach dem Zentrifugieren haben wir das Plasma vorsichtig abpipettiert und in ein separates Röhrchen umgefüllt.
Zweite Woche: Paguera
In der zweiten Woche wechselte ich in die größere Praxis in Paguera. Dort wurden ähnliche Tätigkeiten wie in Palmanova durchgeführt. Zusätzlich konnte ich bei Ohrenspülungen assistieren, die dort häufiger vorkamen. Besonders spannend war die Arbeit mit einem Unfallchirurgen, wodurch ich auch Einblicke in das Röntgen erhielt. Außerdem war in dieser Praxis eine Kinderärztin tätig, was ein weiteres interessantes Arbeitsfeld eröffnete.
Eindrücke zur Covid-19 Situation
Etwas überraschend war für mich, dass die Covid-19-Fallzahlen in Spanien wieder stark angestiegen waren. In einer Woche hatten wir in beiden Praxen mehrere positive Fälle – in Deutschland ist dieses Thema weitgehend in den Hintergrund getreten, und es wird dort kaum noch getestet.
Persönliches Fazit
Trotz kleiner Herausforderungen war dieses Praktikum eine sehr bereichernde und spannende Erfahrung. Ich konnte nicht nur fachlich viel dazulernen, sondern auch eine neue Perspektive auf den medizinischen Arbeitsalltag außerhalb Deutschlands gewinnen. An den Wochenenden hatte ich die Gelegenheit, die Insel abseits der touristischen Hotspots zu erkunden und die katalanische und spanische Kultur intensiver kennenzulernen.
Ich kann ein Praktikum im Ausland – insbesondere im Deutschen Facharztzentrum auf Mallorca – nur empfehlen. Es ist eine tolle Möglichkeit, fachliche Erfahrungen mit kulturellem Austausch zu verbinden
Laura-Michelle Balzer, MFA 24b