Politikverdrossenheit? Keine Spur! Zu Besuch bei der Küstenkoalition

Im Rahmen eines Netzwerktages der Lehrer_innen im Vorbereitungsdienst (LiV) des RBZ1 stand am 27.4.16 ein geführter Besuch im Landeshaus mit der Teilnahme an einer Parlamentsdebatte an.

Durch Eloquenz und schlagkräftige Argumentation gelang es, die Sekretärin des Landeshauses, Frau Keller, zu überreden, uns in eine bereits vollzählige Besucher_innengruppe hineinzuschmuggeln; der nächst mögliche Termin für uns wäre Ende des Jahres gewesen. An dieser Stelle: Vielen Dank!

Dort angekommen, wurden wir im Foyer gemeinsam mit einer großen Schüler_innengruppe aus dem Hamburger Raum von einer Mitarbeiterin des Landeshauses abgeholt und durften in einem eigens für Besucher_innen vorgesehenen Bereich in der bis dahin leer gebliebenen ersten Reihe Platz nehmen. Sie frischte unser Wissen bzgl. der Grundzüge unserer parlamentarischen Demokratie auf: Funktion von Wahlkreisen, die Entstehung von Überhangmandaten, der groben Aufbau unseres Landtages und die aktuelle Besetzung wichtiger politischer Positionen wie die des Ministerpräsidenten, der Regierungskoalition mit einzelnen Minister_innen, unserer sog. Küstenkoalition.

Bevor wir dann zu der Zuschauertribüne geleitet wurden, wies die Mitarbeiterin uns darauf hin, dass während der Debatte von Beifallsbekundungen, Zwischenrufen und das Starten von Papierfliegern abzusehen sei. Auf letzteres Verbot wären wir eigenständig vielleicht gar nicht gekommen.

Nachdem wir uns leise auf der Tribüne platziert hatten, durften wir politische Größen wie Thorsten Albig (SPD), Britta Ernst (SPD), Dr. Robert Habeck (GRÜNE), Dr. Ralf Stegner (SPD), Wolfgang Kubicki (FDP), Angelika Beer (PIRATEN), Anke Erdmann (GRÜNE) (uvm.) live erleben.

Bevor die Debatte, die sich passenderweise um eine Frage des Schulgesetzes drehte, startete, wurden die einzelnen Zuschauergruppen vom Landtagspräsidenten Klaus Schlie (CDU) über das Mikrophon begrüßt. Ob der politischen Prominenz im Plenarsaal war das in unseren Augen eine Geste, die wir als sehr wertschätzend empfanden.

Danach wurden wir Zeuge einer durchaus hitzigen Debatte um die von der FDP beantragte Wiedereinführung der Schulübergangsempfehlung nach der 4. Klasse. Bei der ein oder anderen Rede mussten wir an uns halten, um nicht unsere Zustimmung bzw. Ablehnung laut kund zu tun. Eine Kollegin musste sich der Zurechtweisung eines Saalordners fügen, doch bitte wieder Platz zu nehmen. Spannend war für uns zu sehen, dass viele der Redner_innen ihre Anspannung trotz vermeintlich vorhandener Routine nicht verbergen konnten. Wir empfanden dies als durchaus nachvollziehbar und sehr menschlich. Vor allem wurde dadurch auch die eigene Betroffenheit für ein Thema und die notwendige Leidenschaft, sich für eine politische Meinung einzusetzen, unterstrichen.

Im Anschluss an die spannende Debatte stellten sich in einem Konferenzsaal vier Abgeordnete verschiedener Parteien den Fragen der Besucher, die mit Getränken aller Art versorgt wurden. Allgemeine Fragen wie „Was ist für Sie das derzeit größte Problem im Land?“ aber auch konkrete Anliegen wie „Bereitet Ihnen die Entwicklung der AFD im Land Sorge?“ wurden von den Politikern beantwortet.

Interessant war wieder zu sehen, wie professionell Politiker zwischen scharfen Meinungsverschiedenheiten innerhalb einer Debatte und dem persönlichen Umgang miteinander nach dem politischen Streit zu trennen wissen. So duzten sich die meisten Politiker dieser Runde und agierten durchaus wertschätzend und kollegial untereinander.

Das gemeinsame Mittagessen der LiV in der Kantine des Landeshauses rundete den kurzweiligen Tag ab.

Fazit: Die Küstenkoalition bleibt bei einem verbindlichen Elterngespräch anstelle einer Empfehlung zur weiteren Schullaufbahn und wir wären wirklich nicht auf die Idee gekommen, Papierflieger zu basteln.

Isabel Reimer

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