Werden die Schülertoiletten im Land nun umfangreich saniert? - Einblicke in die Landespolitik

Ein Thema, das alle Schülerinnen und Schüler landesweit über alle Schulformen hinweg seit vielen Jahren beschäftigt, ist: Die Schülertoiletten. Zeitungen berichteten und Eltern beklagten sich. Nun hat das Land ein zweites Mal 7,5 Mio. Euro für die Sanierung der Toiletten in den öffentlichen Schulen Schleswig-Holsteins bewilligt. Dürfen nun alle Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen, die im nördlichsten Bundesland täglich auf die sanitären Anlagen angewiesen sind, Hoffnung schöpfen auf baldige Einrichtung schöner Wellnessbereiche? Nicht nur zu diesem Thema erhielten wir im Schleswig-Holsteinischen Landtag Einblicke in die aktuelle Politik unseres Landes.

Wir Referendare des RBZ1 schnupperten bei unserem letzten Netzwerktag bildungspolitische Luft. Wir hatten die Möglichkeit einer Plenardebatte im Landtag beizuwohnen und uns anschließend mit drei Abgeordneten auszutauschen. Und das war ein durchaus interessantes Erlebnis.

Während wir zu Beginn von einem Verwaltungsangestellten in die Hausregeln eingewiesen wurden, schnatterten die aufgeregten Abgeordneten im Foyer so laut, dass wir nach dem Hinweis, dass auf sämtliche Zustimmungs- oder Missbilligungsäußerungen zu verzichten sei, nichts mehr verstanden. Allerdings konnten wir dank einer Liveübertragung weiterhin auf dem Bildschirm das Geschehen im Plenarsaal verfolgen. Und dort geschah – nichts.

Auf der Tribüne staunten wir zunächst über den wirklich sagenhaften Blick über die Kieler Förde. Dafür lohnt sich die sechsmonatige Wartezeit gewiss. In der unterhaltsamen Eröffnung der Sitzung durch den Landtagspräsidenten Herrn Schlie erfuhren wir, wer aus gesundheitlichen Gründen der Debatte fernbleiben musste, welcher Abgeordnete ein Kind bekommen hatte und wem Geburtstagsglückwünsche übermittelt wurden. Seitdem wissen wir außerdem, dass wir fünf von 12 bis 13000 Landtagsbesuchern in diesem Jahr sein werden. Den Abgeordneten ist es übrigens nicht untersagt ihre Missbilligung oder Zustimmung offen zu äußern. Letztere zeigte sich in einem hörenswerten Applaus, nachdem wir Gäste (außer uns war noch eine Klasse aus einer Gemeinschaftsschule anwesend) vorgestellt worden waren.

Missbilligung äußerte die SPD reichlich während der Regierungserklärung von Ministerpräsident Günther und der Reden weiterer Regierungsmitglieder. Zwischen den Kommentaren wurde demonstrativ weggesehen und sich anderweitig beschäftigt, während die Mitglieder der regierenden Fraktionen bei jeder Gelegenheit euphorisch klatschten. Auch interessant war unsere Studie zu dem Zurücklegen der Strecke zwischen Sitzplatz und Rednerpult. Es scheint individuellen Vorbereitungsstrategien zu unterliegen, ob die Abgeordneten den direkten, pragmatischen und kurzen Weg durch das Rund oder den zeremoniell beschrittenen, deutlich längeren Weg außen herum nehmen.

Nun aber endlich zurück zu den Schülertoiletten. Diese waren ein Thema der Regierungserklärung unseres Ministerpräsidenten Herrn Günther. In dieser stellte er die aktuelle Politik der Landesregierung mit den Kommunen dar und legte dabei besonderen Wert auf die Kommunikation auf Augenhöhe. Aus der Erklärung ging hervor, dass in diesem Jahr beispielsweise 95 Mio. Euro und 2019 noch einmal 115 Mio. Euro in die Krippen und KiTas des Landes investiert werden. Der Abgeordnete Stegner, Mitglied der SPD, konterte anschließend in einer durchweg ironischen Rede, die alle sichtbaren Anwesenden einschloss aber auch erheiterte.

Im anschließenden Gespräch mit den Abgeordneten Beate Raudies (SPD), Heiner Rickers (CDU) sowie Annabell Krämer (FDP) waren der Sanierungsstau der hiesigen Schulen und die Möglichkeiten und Herausforderungen der Lehrkräfte auf der einen Seite und das Erleben der SchülerInnen mit Heterogenität in den Klassen auf der anderen Seite Diskussionsschwerpunkte.

Bereitwillig bekamen wir die Information, dass die ersten 7,5 Mio. Euro für die Sanierung der WCs schon am ersten Tag auf Antrag an die Schulen vergeben waren. Der Bedarf ist also immens. Doch was man sich nun noch fragen könnte: Wie viel Geld steht denn nun eigentlich für die einzelne Schülertoilette zur Verfügung?

In Schleswig-Holstein gibt es 803 Schulen, dann können wir berechnen, dass in Schleswig-Holstein pro Schule für die Sanierung weniger als 9340 Euro zur Verfügung stehen. Zu der Anzahl der Schülertoiletten im Land konnte ich keine verlässlichen Zahlen auftun, deshalb lässt sich die Finanzierung der einzelnen Toiletten nicht kalkulieren.

Im Vergleich dazu gibt es in Hannover knapp 120000 SchülerInnen². Dort wurde ein Bedarf von 24 Mio. Euro für die Sanierung der Sanitäranlagen der Schulen publiziert³. Gehen wir also davon aus, dass der Zustand der WCs vergleichbar ist, das Verhältnis einer Toilette zu einer bestimmten Anzahl SchülerInnen übereinstimmt – in Schleswig-Holstein sind es 376000 SchülerInnen. Oder anders ausgedrückt: Es fehlen für die Instandsetzung in Schleswig-Holstein weitere 60,2 Mio. Euro. Aber mit 15 Mio. Euro ist ein Anfang gemacht, oder nicht? Und die gute Nachricht ist, dass es auch Schulen mit guten Sanitäranlagen gibt. Dennoch empfehle ich den SchülerInnen unseres Landes, die Toiletten gut zu pflegen und mit Sorgfalt zu nutzen, es kann noch etwas dauern, bis sie schön werden, und höflich ist es allemal.

 

Johanna Matz

 

¹ vgl. https://www.schleswig-holstein.de/DE/Fachinhalte/L/landLeute/zahlenFakten/bildung.html (30.01.2018)

² schulen_uebersicht_2015.pdf (30.01.2018)

³ vgl. http://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Stadt/Uebersicht/Hannover-Die-Sanierung-der-Schultoiletten-in-Hannover-kostet-24-Millionen-Euro (30.01.2018)

 

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