Tischler in Cambridge – RBZ1 Austauschprogramme

Tischler in Cambridge – RBZ1 Austauschprogramme Veröffentlicht am 10. Juni 2015 um 11:54 Uhr Zwei Wochen Praktikum an der Berufsschule in Cambridge: RBZ1-Lehrer Roman Spauka mit den Auszubildenden Zwei Wochen Praktikum an der Berufsschule in Cambridge

Junge Menschen bestmöglich auf einen dynamischen und zunehmend europäischen Arbeitsmarkt vorzubereiten, das hat sich das RBZ1 vorgenommen und baut derzeit ein Netzwerk an kooperierenden Schulen im Ausland auf. So zum Beispiel im englischen Cambridge.
Fachlehrer Roman Spauka vom RBZ1 hat selber mal in Cambridge gewohnt, nahm bei einem Besuch dort Kontakt zur Berufsschule auf und stieß sofort auf Begeisterung mit seiner Idee für eine Kooperation und einem Austausch. „Ein halbes Jahr hat es dann gedauert nach passenden Betrieben und Unterkünften zu schauen, und ein Rahmenprogramm mit fachspezifischen Sprachkursen und fachübergreifenden Workshops zu erstellen“, sagt er. Das klappte reibungslos und so fuhren im Mai 15 angehende Tischler, Zimmerer und Straßenbauer für zwei Wochen nach Cambridge. Hinein in den Alltag einer Berufsschule mit 13500 Schülern, 700 Angestellten und Ausbildungen in 50 Berufen.
Anna Ulmer ist im ersten Lehrjahr zur Tischlerin (Betrieb Muhlack). „Die sind dort prima ausgestattet, haben verschiedene Hallen für die Berufe. Wir bekamen im College viel Hilfe und Ansprechpartner“, beschreibt die 22-Jährige. Doch ihr sei auch aufgefallen, dass die Auszubildenden nicht ganz so leidenschaftlich in ihrem zukünftigen Beruf seien. „Einige wirken eher unmotiviert, das kann aber auch an dem Druck liegen, der in Deutschland größer ist“, vermutet Hendrik Hameister, 22 Jahre und angehender Straßenbauer (SF Straßenbau) im ersten Lehrjahr. Auch Janis Otte, der im zweiten Lehrjahr seiner Ausbildung zum Zimmerer (Zimmerei Mittelsdorf) ist, findet die Lernatmosphäre in Cambridge entspannter und nett, nicht so gezwungen. So beginnt die Schulzeit dort erst gegen 9 Uhr. Auch sei es möglich während des ganzen Jahres über dort eine Ausbildung zu beginnen und nicht wie in Deutschland zu bestimmten Terminen.
Ihm gefiel auch die Integration von Schülern mit Behinderung. „Das ist supercool, dort wird überhaupt kein Unterschied gemacht, das läuft wie selbstverständlich“, sagt der 23-Jährige.
„Da wird viel Geld in die Ausbildung investiert, aber ab einem bestimmten Alter müssen die Auszubildenden auch selber Schulgeld bezahlen“, berichtet Anna Ulmer.
Roman Spauka kennt den Grund, warum so viel Geld in die Berufsausbildung in England gesteckt wird: „Die haben den Fachkräftemangel erkannt, bei uns hat man die Not noch nicht so richtig begriffen“, meint er. Nun wird geschaut, wie man von einander lernen und gegenseitig unterstützen könne. „In Cambridge sind sie sehr an unserem dualen System interessiert“, sagt er. Alles mit einem Ziel: die Berufsausbildung in Europa zu harmonisieren und dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.
Das Regionale Berufsbildungszentrum Soziales, Ernährung und Bau (RBZ1) ist mit rund 5000 Schülern die größte Schule Schleswig-Holsteins, in der in 18 Vollzeitbildungsgängen und 30 Berufen ausgebildet wird. „Als künftige Europaschule haben wir uns Weltoffenheit, Toleranz und Friedensfähigkeit als pädagogisches Ziel gesetzt“, erklärt Roman Spauka, Koordinator Schulorganisation, Schulentwicklung und Europa.
So arbeitet das RBZ1 seit 2010 im gastronomischen Bereich mit dem „Lycée Professionnel Bougainville – Nantes“ zusammen sowie im Bereich Nahrung und Gebäudereinigung mit dem „Lycée Professionel Hélène Boucher“ in Vénissieux/Lyon. Über die ehemaligen Förderprogramme Comenius und Leonardo pflegt die Schule im Bereich des Berufsgymnasiums und dem Bäckerhandwerk Kontakte zu Polen und Österreich. Seit der Neugestaltung der Mobilitätsprogramme (Erasmus+) können Berufsschüler aus nahezu allen Ausbildungsberufen nach Torquay, Bristol und London (Großbritannien) geschickt werden. Neu sind in diesem Jahr die Partnerschule in Cambridge (Cambridge Regional College) und das Bildungsministerium auf Mallorca (Consejería de Educación, Cultura y Universidades de las islas Baleares) dazugekommen.

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