Im Ausland lernt man Neues

Wie man den europäischen Gedanken an der Schule verankern kann, damit beschäftigten sich 280 Lehrkräfte des RBZ1 nun beim Schulentwicklungstag. In 16 Workshops und an 16 Infoständen setzten sie sich mit Aspekten rund um das Thema „Marktplatz Europa“ auseinander.
Rund 3000 Schüler lernen derzeit in 30 unterschiedlichen Berufen am RBZ1, das sich das Ziel gesetzt hat, künftig acht Prozent von ihnen ins Ausland zu schicken. Es werden Sprachkurse für Französisch, Englisch, Dänisch, Russisch und seit letztem Schuljahr auch in Spanisch angeboten. Alle Schüler haben die Chance eine Zeitlang ins Ausland zu gehen, doch das müssen die auszubildenden Betriebe und Partner in der privaten Wirtschaft mittragen. „Es ist unsere Bildungsaufgabe Europa als Wertegemeinschaft mit großer Vielfalt zu vermitteln“, erklärt Schulleiterin Elke Grossmann.
Europa im RBZ1„Doch die Betriebe sehen noch nicht die Notwendigkeit. Für sie fällt kurzfristig eine Arbeitskraft aus, aber langfristig wird dadurch das Niveau der Ausbildungsplätze erhöht“, erklärt Koordinator Roman Spauka. In vielen Berufen bewerben sich nur noch wenige Auszubildenden. „Man muss daher Anreize schaffen, denn Auszubildende suchen sich Betriebe, die attraktiv sind“, so Spauka. Ein Aufenthalt oder ein Austausch zwischen drei Wochen und neun Monaten im Ausland bereichert auf vielen Ebenen. Es geht vor allem um Wissenstransfer: Andere Sprachen zu lernen, andere Arbeitstechniken und -abläufe zu erfahren, andere Lösungsansätze zu entdecken.
Viele Wege führen dabei zum Ziel, unter anderem Internetportale, die gemeinsam mit anderen Partnerschulen genutzt werden können oder internationale Wettbewerbe. Es geht auch um die Frage, wie funktioniert in anderen Ländern die Inklusion? Elke Grossmann hat zum Beispiel im französischen Nantes eine Berufsschule besucht, „da ist direkt auf dem Campus ein Wohnheim für Schüler mit Behinderung und es gibt extra Behandlungsräume“, schwärmt sie. Andere Länder, andere Lösungsansätze.
Zu einem gemeinsamen Europa gehört auch Toleranz und Respekt. Schüler aus der Fachoberschule für Gestaltung präsentierten deshalb einen Infostand zu der Minderheitengruppe der Sinti und Roma. „Damit Gemeinschaft funktioniert, müssen wir die Verschiedenheit annehmen und akzeptieren, kulturelle Hintergründe begreifen, um Vorurteile abzubauen“, sagen Philipp Pretel und Lucas Sänger.
Auch bei der Gleichstellung von Frauen und Männern gibt es noch viel zu tun. Lea Arndt war im September für drei Wochen in England und hat als angehende Tischlerin mit einem Zimmermann einen Dachboden mit ausgebaut. „Ich habe technisch viel gelernt, nur waren es die Kollegen dort nicht gewohnt, eine Frau auf dem Bau zu sehen. Als sie gemerkt haben, dass ich was kann, war das kein Problem mehr. Ich bin sogar eingeladen worden, wieder zu kommen“, sagt die 22-Jährige. Ihre Erfahrung hat sie darin bestätigt, später länger ins Ausland zu gehen.

Europa im RBZ1 KN vom 09.10.2014

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