Gefeierter Künstler, umstrittener Sturkopf, literarischer Superstar – die 13c des Beruflichen Gymnasiums am Standort Königsweg auf den Spuren eines Nobelpreisträgers für Literatur im Lübecker Grass-Museum

Gleich und gleich gesellt sich eben gern: Dies gilt nicht nur für den Namen, sondern auch für die Intelligenz. Das dachte sich auch unser Günther, als er uns in das berüchtigte Lübecker Museum verführte. Der Reiz alter Erinnerungen und Gedanken hört nicht auf. Nie hört das auf, selbst über den Tod hinaus. In Gedenken an den 13.04.2015  krebsten wir uns also durch alte Pergamente bis hin zu neuen Erkenntnissen zu dem Hintergrund der Novelle.

Als unsere Klasse endlich das warme Museum erreichte, hinterließ dieses bei uns allen einen positiven Eindruck. Zwar wirkte es etwas befremdlich, dass alle Werke von Günther Grass über unseren Köpfen hingen, aber vor allem die Wand mit Zitaten erregte unsere Aufmerksamkeit. Verschiedenste Aussagen zu Grass, positive sowie negative, sind dort zu finden. Nach einer kurzen Begrüßung begann die Führung und wir betraten den großen Ausstellungsraum.
In verschiedene Bereiche eingeteilt, zeigt der Raum alle relevanten Themen wie zum Beispiel seine Skandale und Grass' politischen Werdegang. Außerdem ist das Museum mit vielen modernen Medien ausgestattet. Auf diese Weise hat man die Möglichkeit Grass in einem Interview mit anderen Schülern zu sehen und wer Interesse hat, kann auf interaktiven Schautischen seine weitere Gier nach Wissen stillen. Viele Bilder von Grass selbst geben dem Raum noch den letzten Schliff und veranschaulichen seine Meinung zu vielen Themen. Die Führung endete in dem Archiv, in dem originale Schriftstücke und andere Werke von Günther Grass gelagert und teilweise ausgestellt sind. Dort wurden wir auch über die Entstehungsgeschichte des Buches ‘‘Im Krebsgang‘‘ aufgeklärt.
Dem Buch ‘‘Im Krebsgang“ liegen eine Vielzahl von Recherchen zu Grunde. Zu Beginn seines Schreibprozesses engagierte Günter Grass einen von ihm ausgewählten Historiker , welcher ihm ein Rechercheheft erstellen sollte, in dem Informationen über den Untergang der Wilhelm Gustloff, das Denkmal, aber auch über Computer, welche nicht sein bevorzugtes Medium waren, enthalten sollte.
Zur Vorbereitung auf das Werk notierte Günter Grass sich zunächst im Oktober 2000 erste Ideen in ein Notizheft und machte sich erste Gedanken über seine bewusst gewählte Schreibweise, die der Titel des Werkes schon treffend beschreibt: ‘‘Im Krebsgang‘‘, „vorwärts, rückwärts, seitlich ausscherend, aber trotzdem vorankommend“.
Erst als er im Juli 2001 auf die Idee kam, die fiktive Person Tulla Pokriefke mit in den Handlungsverlauf einzubringen, gelang es ihm, seinen angestrebten Schreibstil zu verwirklichen. Die Geschichte wird aus der Sicht von drei Generationen, der von Tulla, Paul und Konrad, erzählt, was der bewegenden Geschichte ein charakterstarkes Merkmal gibt und dem Leser dabei hilft, sich in die Geschichte hineinzuversetzen.
Die Geschichte entstammt mehreren gründlichen Überarbeitungen durch den Autor selbst. Zunächst verfasste Günter Grass zwei handschriftliche Fassungen, welche anschließend durch zwei Entwürfe ergänzt wurden, die mit den von ihm bevorzugtem Medium, der Schreibmaschine, erstellt wurden. In diesem Übergang verknüpfte Günter Grass seine gewählten Handlungsstränge, charakterisierte seine Figuren gründlicher und begann, die von ihm verwendeten Fakten in Frage zu stellen. Nachdem seine Sekretärin das vorerst fertige Werk in eine digitale Version übertragen hatte, gelang ihm der Abschluss seine Werkes schon im Juli 2001.
Nach dieser ausführlichen Auseinandersetzung mit dem Werk kommen wir zur Kritik, denn Kritik muss auch mal angebracht werden, es kann ja nicht immer alles rosig sein: Denn neben vielen äußerlich gut gelungenen Gestaltungen, einer angenehmen Atmosphäre und Hightech Medien, war der Vortrag im Kern leider nicht wie erwartet.
Schwerpunkte wurden nicht vertiefend behandelt, auf Fragen gab es keine Antwort und die moralisch-ethische Ebene, dass Günter Grass einst ein Mitglied der SS war, wurde nicht ausreichend erörtert. Allgemein wurde Vieles schön geredet und wenig Kritik ausgesprochen, dazu gab es wenig Freiraum zum Kritisieren. Jedoch lässt sich ein Besuch trotzdem herzlich empfehlen. Ob als Wiederholung, Vertiefung oder als Erschließung der Lektüre oder einfach für wissensdurstige Literatur- und Kunstliebhaber ist ein Besuch informierend und einprägend.
Abschließend können wir sagen, dass der Ausflug nach Lübeck ins Günter Grass Haus uns in unserem Wissen über Grass und sein Werk bereichert hat. Die Erfahrung über den Entwicklungsprozess des Werkes „Im Krebsgang“ und unser gewonnenes Wissen über den Autor und seine Beweggründe erachten wir für das Deutschabitur als besonders wertvoll. Wer weiß, vielleicht können gerade wir wegen des Besuches eine der Aufgaben im Abitur besonders gut beantworten – die nötige Grundlage haben wir durch den Besuch jedenfalls.

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